DFG-Projekt fördert 17 Kirchenbibliotheken in Sachsen-Anhalt

Zum 1. Juli 2026 startet in Kooperation mit der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz das dritte Förderprojekt der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) im Zusammenhang mit der systematischen Erschließung der historischen Buchbestände in der EKM.

 

Bibliothek von St. Katharinen Salzwedel (Foto M. Scholz)

 

Bis Mitte 2029 wird ein Team von Fachbibliothekar:innen an verschiedenen Standorten die Online-Katalogisierung von mehr als 23.000 Titeln aus 17 historischen Pfarrbibliotheken Sachsen-Anhalts durchführen. Die Fördermittel der DFG ermöglichen dabei u. a. die Einrichtung von drei befristeten bibliothekarischen Vollzeitstellen an den Standorten Berlin, Salzwedel und Zeitz. Die Projektleitung liegt bei Archiv und Bibliothek der EKM am Standort Magdeburg.
Ziel ist die Sichtbarmachung einer aus der Reformation hervorgegangenen Bibliothekslandschaft. Oft wenig bekannte und schwer zugängliche Bücherschätze aus der Zeit vom späten Mittelalter bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts sollen hierdurch für die überregionale historische Forschung und die interessierte Öffentlichkeit in Mitteldeutschland nutzbar gemacht werden. Die 17 ins Projekt aufgenommenen Buchbestände wurden aus einer Vielzahl mitteldeutscher Kirchenbibliotheken wegen ihrer besonderen Zusammensetzung und Überlieferungsgeschichte gezielt ausgewählt. Zu den herausragenden Objekten im Projekt zählen mittelalterliche Handschriften, Wiegendrucke, Flugblätter, Leichenpredigten, Noten und frühe Zeitungen.

 

Bibliothek in der Zeitzer Michaeliskirche (Foto M. Scholz)

 


Die mit Abstand umfangreichste der ausgewählten Sammlungen ist die Bibliothek von St. Michaelis in Zeitz. Sie verwahrt u. a. eines von weltweit nur drei erhaltenen Exemplaren des Plakatdrucks der 95 Thesen Martin Luthers von 1517. Die zweitgrößte Kirchenbibliothek innerhalb des Projekts hat seit dem 15. Jahrhundert ihren Standort in der Katharinenkirche in Salzwedel. Hier handelt es sich vermutlich um die älteste noch bestehende evangelische Bibliothek Sachsen-Anhalts. Einige kleinere Sammlungen wurden von der Forschung bisher völlig übersehen und versprechen spannende Entdeckungen.  Zu nennen sind hier u. a. Alsleben/Saale, Goseck, Großmühlingen, Parey/Elbe und Kollenbey.

 

Kettenbuch aus dem Kloster Helfta („Turmbibliothek“ Eisleben, Foto: Stabi Berlin)

 

Zusammenarbeit mit der Staatsbibliothek zu Berlin
Die Staatsbibliothek bringt in das Vorhaben ihre langjährige Expertise als VD-Trägerbibliothek sowie die Erfahrung aus mehreren erfolgreich abgeschlossenen Erschließungs- und Digitalisierungsinitiativen zu kirchlichen Bibliotheken ein. Die jeweils einschlägigen Titel und Exemplare werden durch das Berliner Personal in die nationalen Verzeichnisse zum Nachweis aller im deutschen Sprachraum erschienenen Drucke des 16. bis 18. Jahrhunderts (VD 16, VD 17 und VD 18) aufgenommen. Inkunabeln werden im Gesamtverzeichnis der Wiegendrucke (GDW) ergänzt. Mindestens 5.000 unikale Exemplare bzw. noch nicht online verfügbare Titel werden im Rahmen des aktuellen DFG-Projekts im Digitalisierungszentrum der Staatsbibliothek digitalisiert werden. Diese übernimmt darüber hinaus die dauerhafte Präsentation und Langzeitarchivierung der Digitalisate.

 

Prachtvolle Fleuronnée-Initiale aus dem Decretum Gratiani 
(„Turmbibliothek“ Eisleben, Foto: Stabi Berlin)

 


Kontakt:

Archiv und Bibliothek der EKM – Landeskirchenarchiv Magdeburg
Dr. Margit Scholz
Freiherr-vom-Stein-Str. 47
39108 Magdeburg
Tel. 0391/629901-717
archiv.magdeburg@ekmd.de

Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz
Abteilung Handschriften und Historische Drucke
Michaela Scheibe
Tel.: 030/266 436-551
michaela.scheibe@sbb.spk-berlin.de

Maria Federbusch
Tel.: 030/266 436-601
maria.federbusch@sbb.spk-berlin.de